Pressemeldungen - Dekorationsmalschule

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Pressemeldungen

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Interview von Petra Unger mit Beate Wagner vom 15.08.2015


Beate Wagner
Künstlerin, Theater- und Dekorationsmalerin, Schriftlithografin, Kunstvermittlerin


*25.04.1958 Hagen, Deutschland

Beate Wagner öffnet mit ihrer Kunst Räume: Bühnen für eigene Gedanken und Emotionen, meditative Schauräume, Projektionsflächen für eigene Bilder in lebensbejahender Farben-und Formenfreude. Ihre Arbeit lässt sich als in Bewegung gebrachte abstrakte Malerei mit schwungvollen Pinselstrichen, verwischtem Farbauftrag und immer wieder zarten, zeichnerischen Linien oder Figuren beschreiben. In ihren Bildern lässt es sich wie in einem Garten wandeln oder sie als Bühne eigener innerer Bilder verwenden. Analog zum Bühnenbild einer Theaterinszenierung, die als Fläche wirkt und durch das Hereinholen verschiedener Elemente oder Akteure gebrochen wird, belebt Beate Wagner ihre Bildinszenierungen einer erklärenden Legende gleich mit ihr wichtigen und wiederkehrenden Symbolen. So finden sich Symbole wie das Lebensrad oder der stilisierten Barke antiker Mythologien immer wieder in ihren Bildern. Sie gibt keine Erzählung vor und erzählt dennoch. Von Bewegung und Wiederkehr, Beständigkeit und Gehenlassen, Dynamik und Ruhe. In diesem Sinne beinhalten ihre Bilder auch etwas Heilendes, heilende Prozesse Unterstützendes.
In letzter Zeit bevölkern immer mehr Märchen- und Fabelwesen ihre farbkräftigen, abstrakten Bilder. Der Schritt zu liebevoll gearbeiteten und mit eigenen Texten versehenen Kinderbüchern ist damit ein logischer. Diese Zeichnungen filmisch zu animieren, könnte ein nächster Schritt sein.
Beate Wagner beschreibt ihre künstlerischen Entwicklungen mit dem Bild einer Perlenkette. Im Auffädeln bedingt Eines das Andere. So entwickelt sie ihre Arbeiten auch mit konkreten Fragestellungen weiter, lässt eine einmal entstandene Farbfläche nicht nur sein, sondern hält sich die Weiterentwicklung offen. „Was kann das Bild noch?", ist eine häufig gestellte Frage in ihrem Arbeitsprozess, der oft von sphärischer Musik eines Hans-Joachim Roedelius oder Philip Glass begleitet ist. „Funktioniert das Bild auch als Raumausstattung, kann es eine Auslage dekorieren, zu Visiten-, Memory- oder therapeutischer Affirmationskarte werden?"
Beate Wagner kennt keine Berührungsängste mit angewandter Kunst und erhebt zudem den Anspruch, eine für alle verständliche und auch brauchbare Kunst, im Sinne von benötigt und erwünscht, zu schaffen. Darin liegt auch der Verweis auf das Handwerk, das Beherrschen verschiedenster Techniken und der bewusst einfache und direkte Zugang zu ihrem Kunstschaffen. Geschaffen möglichst für alle und nicht nur für einen elitären Kunstmarkt, der durch Ausschluss und Abgrenzung nicht selten auch Abwertung anderer Kunstformen und hermetische Verschlossenheit produziert. Intellektuelle Konzeptkunst, die sich durch bloßes Betrachten nicht von selbst erschließen lässt, Vorwissen und Übersetzung braucht, findet in Beate Wagners Arbeiten keinen Platz. Viel mehr fühlt sie sich den Gestaltungsweisen eines André Hellers verwandt, für dessen monumentale Inszenierungen die Künstlerin u.a. überdimensionale Figurinen im Rahmen des Projektes „Afrika, Afrika" gestaltet hat.
Damit ist auch die Vielseitigkeit der Künstlerin angesprochen: Beate Wagner malt, zeichnet, ist ausgebildete Schriftlithografin, Theater- und Dekorationsmalerin, beherrscht das Handwerk der Porzellanmalerei, gestaltet und bemalt Kostüme, Innen- oder Ausstellungsräume oder illustriert archäologisch-wissenschaftliche Bücher. Gebrauchsgrafik ist ihr ebenso geläufig wie der Umgang mit unterschiedlichsten künstlerischen Mal- und Zeichentechniken. So gestaltet sie für Margareten den Frauenpreis, der an außergewöhnliche Frauen des Bezirks verliehen wird: eine gezeichnete Figur auf Plexiglas und die entsprechenden Postkarten dazu.
Beate Wagner wird 1958 in Hagen, im deutschen Ruhrgebiet geboren. Mit ihren Eltern übersiedelt sie bald danach ins Schwabenland und absolviert, vermittelt von ihrem Vater, der als Fotogravur-Zeichner tätig ist, ihre erste Ausbildung als Schriftlithographin. Auch ihre Mutter, meist im Einzelhandel und als Angestellte tätig, unterstützt sie. Die Unterstützung beider Eltern zeigt sich im Sinne von „nicht eingebremst werden", wie Beate Wagner anmerkt. Während ihrer Lehre zur Schriftlithografin in der Firma Edelmann in Heidenheim lernt Beate Wagner mit Reprofotografie, Layout nach Vorlagen, Montagebögen, künstlerischen Drucktechniken umzugehen und Schriften selbst zu gestalten.
In der konkreten Umsetzung dieser handwerklich-technisch orientierten Ausbildung layoutete sie in der Verpackungsindustrie benötigte Faltschachteln oder Verpackungsmaterialien für Produkte wie After Eight. Die Arbeitsteilung in ihrem Lehrbetrieb – die qualifizierten, besser bezahlten Arbeiten für Männer und die wenig anspruchsvollen, schlechter honorierten Tätigkeiten für Frauen - behindert schließlich weitere Entwicklungsschritte und Arbeitsmöglichkeiten für Beate Wagner. Mit Begeisterung nimmt sie daher wenig später die Erzählung einer ehemaligen Firmenmitarbeiterin von einer Freien Kunstschule auf, kündigt ohne zu wissen, ob sie an der Kunstschule aufgenommen werden wird und zieht mit ihrem Sparbuch in der Tasche nach Stuttgart, um sich „ein paar Semester Kunst zu kaufen". Nach dieser zweijährigen Ausbildung übersiedelt Beate Wagner 1982 an die Hochschule der bildenden Künste Kassel, die sie mit Auszeichnung aufnimmt und ihrem praktisch-handwerklichen Zugang zu Kunst sehr entgegenkommt. Sie belegt den Studiengang Visuelle Kommunikation, Freie Grafik und Design und fühlt sich in diesen Jahren vielseitig gefördert ohne im sonst üblichen, strengen Meisterklassen-System auf einen bestimmten Kunststil festgelegt zu werden. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, fertigt Beate Wagner in diesen Jahren, Rekonstruktionszeichnungen für Archäologen an, gestaltet Ausstattungen für Ausstellungen und beschriftet Ausstellungsobjekte von Hand. 1987 und 1988 arbeitet sie als Zeichnerin  für die Deutsche Forschungsgemeinschaft am Roemer und Pelizaeus - Museum in Hildesheim (Deutschland) und in Qantir (Ägypten) , um sich anschließend mit Malerei und Holzschnitzereien in Nordafrika und Südostasien zu beschäftigen. 1988 schließt Beate Wagner ihr Studium als Magistra artium ab, nicht ohne zusätzlich eine weitere Ausbildung als Theater- und Dekorationsmalerin absolviert zu haben. Nach Abschluss ihrer Ausbildungen und einer dreijährigen „Zeit des Nicht-Schlafens", während ihrer Tätigkeit für einen Konzertveranstalter in Kassel („tagsüber Layout, nachts Rock&Pop") beschließt Beate Wagner auf Einladung ihrer Freundin und Studienkollegin Dorothee Golz, die in dieser Zeit mit Erwin Wurm in Wien verheiratet ist und ihr erstes Kind erwartet, nach Österreich zu übersiedeln. Ihre Wege führen sie schließlich in den Bezirk Margareten, in dem sie bis heute lebt und arbeitet. Dank ihrer Erfahrung als Zeichnerin im Feld der Klassischen Archäologie gelingt zunächst über Aufträge, vermittelt durch den  em. o. Univ.-Prof.
Dr. Dr. h.c. Friedrich Krinzinger, w.M. Institutsdirektor i.R., ein erstes Ankommen und weitere berufliche Reisen ins Ausland. Auch die Qualifikation als Theater-, Dekorations- und Kostümmalerin kann Beate Wagner in Wien ausüben. So kooperiert sie mit dem Theaterservice „Art for Art" und bemalte Kostüme für die Inszenierungen „Coppelia", „Evangelimann", „Moses und Aaron" oder „Othello" an der Wiener Staatsoper, für „Barbarella" und „Rudolf" am Raimundtheater. Filmproduktionen unterstützt Beate Wagner mit Kulissen und Requisitengestaltung. Auch wenn sie all ihre vielfältigen Betätigungsfelder mit großem Engagement ausfüllt, beschreibt Beate Wagner diese Arbeiten als „Pflicht", während ihre eigenen Bildkompositionen ohne strikte Vorgaben ihre „Kür" und damit ihre persönlichen, künstlerisch freien Gestaltungsräume sind, in denen sich ihre „angestaute" künstlerische Kreativität entfalten kann.
1999 gründet Beate Wagner die 1.Wiener Schule für Dekorationsmalerei und entwickelt erfolgreiche Ausbildungsprogramme, die sie in Kooperation mit den Institutionen WIFI, AMS und VHS Wien umsetzt. Wissen weiter zu geben, ihren reichen Fundus an Gestaltungstechniken in angenehmer, lustvoller Atmosphäre mit Berufseinsteiger_innen und –aussteiger_innen zu teilen, ist Beate Wagner ein großes Anliegen. Schulklassen, Einzelpersonen, kleine Gruppen können jederzeit ihr Souterrain-Atelier in Wien-Margareten besuchen, ihre Wochenend-Kurse buchen oder einen individuellen Auftrag erteilen. Beate Wagners Kund_innen und Käufer_innen sind u.a. Psychotherapeut_innen und Energieberater_innen, die Wagners Bildern positive und auch heilende Energien attestieren. Auch die Erkenntnisse einer buddhistisch beeinflussten Wahrnehmungsschule gibt Beate Wagner gerne weiter. Sensible Wahrnehmung von Räumen, Wirkung von Farbgestaltungen auf Räume und damit auf Menschen sind wesentlicher Bestandteil ihrer Vermittlungs- und Beratungsarbeit im direkten Austausch mit ihren Schüler_innen, Auftraggeber_innen oder Käufer_innen.
Öffentlich zugängliche Raumgestaltungen von Beate Wagner finden sich im Wiener Hofmobiliendepot in Form einer Fussboden-Bemalung oder der von ihr gestaltete  Eingangsbereich des Papyrusmuseums in der Wiener Hofburg.
Gekauft und ausgestellt werden ihre Werke außerdem von namhaften Einzelpersonen, Rechtsanwaltskanzleien, öffentlichen Institutionen (u.a. Bezirksgerichte, Bezirksämter, Wiener Wasserwerke), Bildungseinrichtungen oder Einrichtungshäuser. Auch die Liste ihrer Einzelausstellungen oder die Beteiligung an Gruppenausstellungen ist lang, wenngleich bisher noch keine Zusammenschau ihrer Werke in Form eines Katalogs produziert wurde. Immer wieder beteiligt sich Beate Wagner mit ihren Arbeiten an Wettbewerben, entwickelt eigene Projekte und findet neue Orte.
So experimentiert sie 2012 ein weiteres Mal mit ihrer Vorstellung von Malerei als Bühnenraum im Transparenten Raum-Kubus EXPORT. Tanz, Musik und Malerei miteinander im transparenten Kubus der Künstlerin VALIE EXPORT wirken zu lassen, wird zur spannenden, selbstgestellten Aufgabe. Ein weiteres Mal erweitert Beate Wagner damit ihre Kunstformen und lässt Kunst erlebbar werden – ein ihren Weg begleitendes, zentrales Anliegen.
Unmittelbares, kreatives Schaffen, vielfältiges, technisches Können, direkte Aussagen, Eröffnen neuer Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten, ein Stück weit auch Begleiterin in der Selbstfindung, Welt- und Lebensbewältigung – das und vieles andere mehr ist die Kunst und Kunstvermittlung von Beate Wagner, die ohne (Be-) Wertung Anderer ein Zugewinn für alle sein will und ist. Die zahlreichen Aufträge und positiven Rückmeldungen bestätigen Beate Wagner in ihrem Tun. Als nächste Perle an der Kette ihrer künstlerischen Laufbahn kann sie sich große Kunstobjekte im öffentlichen Raum, vielleicht in Margareten vorstellen. Ein weiterer Zugewinn für alle, vielleicht in mittlerweile „ihrem" Bezirk.
Text Petra Unger

 
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